Hannover Aufmischen

Hier findest du alle wichtigen Tippsrund ums Thema Anträge stellen

Nichts ist frustrierender, als einen besonders aufwändigen Antrag zu schreiben für das eigene Herzensprojekt, nur um dann die ganz knappe Rückmeldung zu bekommen, dass das Projekt überhaupt nicht zu der Förderung bei einer Stelle passt. Die Arbeit hättet ihr euch also sparen können. Darum gilt vor jedem Projektantrag immer als erstes ganz genau zu klären, wer ihr eigentlich genau seid und was ihr wollt und dann zu gucken, wer dazu passt und wo es sich lohnt es mit einem Antrag zu versuchen!

Fragen, die ihr euch noch vor der Formulierung eines Antrags stellen solltet:

  1. Wer bin ich und was will ich?
    • Wie viel Geld brauche ich für mein Projekt? Was davon sind Sachmittel (also v.a. Geld, das man für „Dinge ausgibt“, Anschaffungen, Raummieten, aber auch Honorare für Trainer*innen, Moderator*innen, Künstler*innen usw.) und brauche ich auch Personalmittel (Also Geld, das ich für Gehälter von sozialversicherungspflichtig angestellten Personen ausgebe, ist nur sehr selten bei Projektförderung überhaupt finanzierbar).
    • Wer sind wir eigentlich? Haben wir eine Organisation im Hintergrund, z.B. einen Verein, oder „müssen“ wir als Privatpersonen beantragen? Wofür stehen wir, was ist unser Profil? Damit der potenzielle Förderer ein Bild von euch bekommt, müsst ihr selber erstmal eins haben!
    • Was soll unser Projekt bewirken? Was sind unsere Ziele und Visionen? Was ist die Zielgruppe? Wie arbeiten wir? Mit wem arbeiten wir zusammen? Was macht uns besonders? Was haben wir bisher schon erreicht?
  1. Welche Förderung von welchem Förderer passt zu mir und meinem Projekt?
    • Welche Förderer aus welchen Bereichen kommen für mich in Frage, welche sind ausgeschlossen? Als eine Initiative aus dem Bereich Umweltschutz, wollt ihr z.B. nicht unbedingt mit der Stiftung von einem großen Energie- oder Industriekonzern zusammenarbeiten oder Förderer mit einer Nähe zu manchen politischen Parteien fallen für euch raus. Auf den jeweiligen Homepages kann man sich meist ein gutes Bild machen, welche Projekte in der Vergangenheit gefördert wurden, darüber könnt ihr einen Eindruck bekommen, wie gut ihr in diese Reihe reinpasst.
    • Wie und wo finde ich Fördermöglichkeiten? Aus Hannover Aufmischen! Haben wir euch, wenn ihr junge Menschen seid, die in und für Hannover ein Projekt starten wollt, einige Tipps zusammengestellt. Ansonsten lohnt es sich nach Stiftungen oder Förderfindern direkt mal im Internet zu suchen.
    • An wen kann ich mich zur Unterstützung oder mit Fragen wenden? Kleiner Tipp: klickt mal auf Hannover Aufmischen! Unter Beratung. Aber vielleicht fallen euch auch Leute in eurem Umfeld ein? Trainer*innen, Sozialarbeiter*innen in Jugendtreffs oder im Jugendverband? Lehrer*innen oder auch die beiden, die da schonmal so ein Projekt gestartet haben? Und zu guter Letzt könnt ihr eure Fragen ja auch direkt an den Förderer stellen, bereitet euch gut vor und ruft an oder schreibt eine Mail, bevor ihr lange rätselt.

Klasse, ihr habt euch einen Förderer gesucht, wo ihr Geld beantragen wollt. Bevor ihr jetzt super motiviert einfach drauf los schreibt: Viele Projektmittelgeber*innen, besonders die Großen, haben ganz genaue Vorstellungen davon, wie euer Antrag aussehen soll und geben euch entweder die Fragen vor, oder es gibt ein Online-Antragsformular oder ein vorgefertigtes Antragsformular als Dokument zum Ausfüllen. Wenn das der Fall ist, nutzt das auf jeden Fall, eine andere Form wird dann so gut wie nie akzeptiert und ihr könnt euch die Arbeit sparen. Also erstmal prüfen: Welche Form muss der Antrag haben?

Konkret sind beim Antrag-Schreiben folgende Dinge zu beachten:

  • Form: Welche Vorgaben gibt es? Kurzbeschreibung oder ausführliche Anträge als Projektskizze? Welche Form muss der Antrag haben von Struktur, Umfang und auf welchem Weg er einzureichen ist? Wer ist Ansprechpartner*in? Wann ist die Antragsfrist? (s. auch Formalia)
  • Wenn ein „formloser Antrag“ gefordert ist, bedeutet das, dass ihr euch nicht an eine vorgegebene Struktur halten müsst, sondern selbst einen Aufbau wählen könnt, dazu biete sich zum Beispiel folgendes an:
    1. Anschreiben (per Mail oder Post): Begleitet euren Antrag, ist quasi die Visitenkarte und nicht zu vernachlässigen! Damit euer Antrag auf jeden Fall gelesen wird, schon an dieser Stelle ganz kurz beschreiben, worum es bei eurem Projekt geht und warum ihr euch damit an diesen Förderer wendet. Nennt auch ggfls. Welche Förderung ihr beantragt und bietet euch mit Kontaktangaben für Rückfragen an.
    2. Titelblatt: Auf jeden Fall gehört der Name eures Projekts, ggfls. eine Kurzbeschreibung inkl. Förderzeitraum, Zielgruppe, Projektziele und beantragte Förderung drauf. Außerdem korrekte und vollständige Kontaktdaten von euch als Ansprechpartner*innen und ggfls. Rechtsform, wenn ihr z.B. ein antragsstellender Verein seid.
    3. Projektskizze: Einleitung zur Einordnung des Projekts: wieso, weshalb, warum. Inhalt, Ziel und Zielgruppe. Dann sagt ihr ein paar Worte über euch als Antragssteller*innen, wer ihr seid, was euch dazu befähigt das Projekt durchzuführen, mit wem ihr zusammenarbeitet, usw. Ihr müsst jetzt davon überzeugen, dass ihr die Richtigen seid, um das Projekt umzusetzen, kompetent und vertrauenswürdig. Im Hauptteil beschreibt ihr dann nochmal ganz ausführlich euer geplantes Projekt. Warum macht ihr das überhaupt? Worum geht es euch? Was ist euch wichtig? Wen wollt ihr erreichen? Was wollt ihr verändern? Was motiviert euch? Wer wird beteiligt sein? Wo wird das Projekt stattfinden? Über welche Dauer wird das Projekt stattfinden? Gibt es einen Zeitplan, einzelne wichtige Termine oder Meilensteine? Wie wollt ihr euer Projekt dokumentieren und reflektieren? Wie wird die Öffentlichkeit informiert? Beschreibt alles ganz genau und konkret, macht Lust auf euer Projekt und nennt aber auch, wenn möglich, Zahlen, Daten, Fakten.
    4. Finanzierungsplan: Ein Herzstück eures Antrags ist der Plan, in dem ihr ganz genau und möglichst konkret und realistisch gegenüberstellt, wofür ihr Geld ausgeben wollt und wie das finanziert werden soll. Wichtig: Ein finanzierungsplan muss immer ausgeglichen sein, ihr listet also genauso viele Einnahmen auf, wie ihr Ausgaben plant. Wenn noch andere Mittel in das Projekt fließen, als von dem Förderer, wo ihr grade beantragt, dann schlüsselt die genau auf und erklärt sie, habt ihr z.B. Eigenmittel, werdet ihr Spenden einwerben oder gibt euch die Stadt oder ein Verein etwas dazu? Am besten erstellt ihr eine Tabelle und listet nicht jede winzige Ausgabe genau auf, sondern fasst einzelne Kostenpunkte zusammen, also z.B. „Veranstaltungstechnik“ statt „Mikrofone, Lautsprecher, Mischpult, Bühne, usw.“ einzeln. Statt alle Helfer*innen im Projekt einzeln aufzuzählen, schreibt ihr „Honorarkosten für Veranstaltung“ oder „Aufwandsentschädigung ehrenamtliche Helfer*innen bei der Party“ usw. Achtet darauf, dass alles schlüssig nachvollziehbar und transparent ist. Ganz am Ende alles nochmal gegenrechnen und checken!
    5. Anlagen: Gibt es vorgegebene Anlagen (s. Formalia), z.B. verschiedene Erklärungen? Ansonsten passt alles in die Anlagen, was potenziellen Förderern hilft, sich ein Bild von eurem Projekt zu machen. Habt ihr einen Flyer von eurem Verein? Gibt es Pläne von dem Ort, wo ihr mit eurem Projekt etwas verändern wollt? Zeitungsberichte? Aber auch hier gilt: weniger ist mehr, zusätzliche Infos sorgfältig auswählen.
  • Für alle Texte, die ihr schreibt, gilt:
    • Seid sachlich und korrekt, aber authentisch! Klar könnt ihr an der ein oder anderen Stelle ruhig mal ein kleines bisschen dick auftragen, ihr wollt ja für euer Projekt begeistern. Aber bitte nicht anfangen super rumzuschwurbeln, keine hochgestochene Sprache oder Angebereien, bitte. Ihr seid junge Menschen, die ein Projekt starten wollen, genau so dürft ihr auch wahrgenommen werden, denn genau dafür möchte euch der Förderer doch Mittel zur Verfügung stellen. Und wenn es deswegen nicht klappt, dann war es vielleicht eh besser so, sonst wären vielleicht im weiteren Verlauf der Zusammenarbeit noch Schwierigkeiten entstanden.
    • Seid optimistisch und positiv! Ihr seid keine Bittsteller, die um Geld bitten, sondern ihr habt ein cooles Projekt, was für euch und andere ein Gewinn ist. Förderer möchten Geld für genau solche, sinnvollen Sachen zur Verfügung stellen, das ist quasi ihr Auftrag. Ihr begegnet euch also auf Augenhöhe. Das bedeutet auch, nicht davon ausgehen, dass es eh nicht klappt und lieblose Massenanträge in Serie schreiben, lieber genau den passenden Förderer finden (s. „Was will ich und wer passt zu mir?“) und selbstbewusst und optimistisch antreten.
    • Schreibt den Antrag für den Förderer, nicht für euch! Klar, ihr kennt euer Projekt und die Hintergründe in und auswendig. Für euch ist alles so selbstverändlich, dass man es nicht extra nochmal erklären muss. Für den Förderer, der bestimmt euren Verein, euren Stadtteil oder euren Jugendtreff und vielleicht sogar die Jugendkultur um die es bei euch geht, aber eben nicht. Also lest euren Antrag nochmal aus der Perspektive eines Förderers. Ist alles klar, nachvollziehbar und strukturiert? Sind alle Zahlen und Daten benannt? Und das bedeutet auch: schreibt so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Grade große Förderer, wie z.B. Stiftungen bekommen sehr viele Anträge, macht es ihnen leicht euren zu lesen, zu verstehen und sich für euer Projekt zu entscheiden.

Bei einem Projektantrag sind zwei Sachen wohl die entschiedensten: ihr könnt mit dem was ihr schreibt und eurem Finanzierungsplan von eurem Projekt überzeugen und ihr haltet alle Formalia ein. Während das erste gar nicht so einfach ist, sollte das zweite doch eigentlich super einfach sein und euer Antrag daran auf keinen Fall scheitern. Also: lest alle Hinweise zur Antragsstellung ganz genau durch, manchmal gibt es auch Richtlinien oder Antragshinweise. Wenn euch etwas absolut unklar ist, fragt ruhig bei den angegebenen Ansprechpartner*innen nach, das ist ein Service für euch.

Und dann: unbedingt an die Antragsformalitäten des Förderers halten! Gibt es vorgegebene Antragswege und -formen, bitte nicht kreativ werden und etwas Eigenes einreichen. Diese Formen hat der Förderer aus einem Grund eingerichtet, er möchte, dass man sie einhält, wenn ihr abweicht, ist es sehr gut möglich, dass euer Antrag nicht mal gelesen wird. Wollt ihr einen kreativen Antrag stellen, z.B. ein Video drehen, dann sucht euch Förderer aus, die formlose Anträge akzeptieren. Aber auch da achtet drauf, was die unbedingt von euch wissen möchten.

Alle Begriffe klar haben: Habt ihr einen Finanzierungsplan aufgestellt? Müsst ihr eine Erklärung abegeben, z.B. eine De-minimis-Erklärung, in der ihr Angaben gegenüber der EU machen müsst? Oder müsst ihr angeben, ob euer Verein zum Vorsteuerabzug berechtigt ist? Das erkennt ihr i.d.R. daran, ob ihr, wenn ihr etwas als Verein kauft, Mehrwertsteuer zahlen müsst oder nicht. Wichtig ist auch klar zu haben, welche Art von Förderung ihr grade beantragt. Eine Festbetragsfinanzierung oder eine Anteilsfinanzierung? Könnt ihr das ganze Projekt aus den Mitteln finanzieren oder müsst ihr Eigenmittel einbringen, wenn ja, welchen Anteil? Das alles ist überhaupt kein Grund zur Verzweiflung. Wenn ihr Fragen habt, sucht euch einfach Unterstützung. Gibt es jemandem im Verein oder im Jugendtreff? In Hannover haben wir außerdem tolle Einrichtungen, die euch unterstützen können, wir haben euch alle auf Hannover aufmischen! Aufgelistet. Sucht einfach nach „Beratung“.

Noch was? Ja! Achtet auf die Antragsfrist(en). Gibt es nur eine oder mehrere, z.B. 4 Mal im Jahr? Einen Antrag verspätet abzugeben könnt ihr euch sparen, echt jetzt…! Und dann gibt es da noch ein wichtiges Wort, das ihr auf dem Schirm haben müsst, nämlich „vorzeitiger Maßnahmenbeginn“. Meistens darf euer Projekt nämlich noch nicht gestartet sein, wenn ihr einen Antrag stellt und darf erst losgehen, sobald ihr eine Bewilligung habt. Achtet dann darauf, dass der Projektzeitraum, den ihr im Antrag angebt, auch weit genug in der Zukunft liegt und ihr wirklich noch nicht angefangen und auch schon erste Gelder ausgegeben habt. Eine Ausnahme davon ist, dass ihr einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn beantragen könnt, dann könnt ihr auch schon vor der finalen Bewilligung starten, macht euch da ganz genau schlau!

Und nach dem Abschicken? Heißt es erstmal geduldig sein. Nicht anrufen oder quengeln. Der Förderer wird euch auf dem Laufenden halten. Oft entscheiden große Gremien mit vielen Leuten, das dauert eben etwas. Wichtig ist, dass ihr unter den Kontaktdaten, die ihr angegeben habt auch wirklich erreichbar seid, falls es in der Zwischenzeit noch Rückfragen gibt. Also: Mails checken und ja, auch bei unbekannten Rufnummern mal ans Handy gehen 😉

Und wenn es geklappt hat? Erstmal herzlichen Glückwunsch! Dann könnt ihr ja loslegen! Jetzt aber nicht Hals über Kopf ins Projekt stürzen und den Förderer ghosten, sondern im Kontakt bleiben, eine gute Zusammenarbeit pflegen und regelmäßig Mittelabruf anweisen, falls ihr nicht alles auf einmal ausgezahlt bekommt. Wenn sich zwischendurch irgendetwas bei euch ändert, immer offen kommunizieren und zeitnah absprechen! Und am Ende eures Projekts nicht vergessen nachzuweisen, was ihr tatsächlich umsetzen konntet und was es gekostet hat, das ist der Verwendungsnachweis oder ein Abschlussbericht. Dazu sprecht ihr am besten mit eurem Förderer, auch hier gibt es meistens wieder genaue Vorgaben. Es macht auf jeden Fall auch Sinn, euer Projekt ganz am Ende zu evaluieren, vielleicht sogar mit dem Förderer zusammen. Schließlich wird das ja nicht euer letztes Projekt gewesen sein, für das ihr einen Antrag geschrieben habt, oder?! 😉